eLerner’s Weblog

“What made it difficult to tell the class what the course was about was the fact that my way of thinking was different from theirs.” G.Bateson

Archiv fürmicrosoft

Die Grenzen verschwimmen

In einem neuen Artikel in Knowledge@Wharton werden die verschwimmenden Grenzen zwischen bisher (fast) ausschließlich privaten, und industriell genutzten Anwendungen diskutiert -  sog. “social networking software”, wie facebook, gehört ebenso dazu, wie kollaborative plattformen, z.B. wiki. Player in diesem weltweiten Prozess sind vor allem Apple (via iPhone), Microsoft, aber auch die Open Source Bewegung.

Dieser Prozess wird als “consumerisation” beschrieben, und er erfasst auch E-Learning - denn obwohl E-Learning didaktisch motiviert sein “sollte”, besteht natürlich eine lebendige Wechselwirkung zwischen der Technologie (”was möglich ist”) und der Didaktik (”was wir machen wollen”).

Die Totale Bibliothek

DER SPIEGEL (16/2008)glänzt in dieser Woche mit zwei interessanten Artikeln, die beide eine Schnittstelle zu E-Learning haben: eine Beschreibung von Gordon BellsMyLifeBits Projekts” - das komplette digitale Gedächtnis aller Aktivitäten dieses Mega-Forschers, aufgenommen vor allem mit einer “SenseCam”, die er vor der Brust hängen hat - und von neuen Geschäftsmodellen in der Musikindustrie, die vor allem “the power of download” zeigen (was wir natürlich schon wussten, aber DER SPIEGEL hat es jetzt auch mitgekriegt ;-)

MyLifeBits ist für E-Learning hierbei das relevantere Projekt: der Endpunkt dieses Projekts, das darauf angelegt ist, ein externes, physisches Gedächtnis zu schaffen (Datenschützer kräuseln sich die Zehennägel…), scheint mir in unmittelbarer Nähe Vision einer “Total Library” des Fantastik-Schriftstellers und Dichters Jorge Lluis Borges‘zu liegen. Der Artikel im SPIEGEL gewinnt dem Forschungsprojekt, das (vielleicht nicht unerwartet?) von Microsoft finanziert wird, auch gute Seiten ab - nichts von dem, was ich mal gemacht, geklickt, gesagt habe usw., geht verloren. Gleichzeitig - und das merke ich ja selbst beim Bloggen (auch ein Weg, sich “elektronische Unsterblichkeit” zu sichern) - geht etwas Wichtiges verloren.

Vielleicht ist Datenverlust wichtiger, als bisher angenommen. Und möglicherweise lässt sich dieser Gedanke auf das Lernen erweitern: Vergessen beim Lernen ist genauso wichtig, wie erinnern. Denn das Erinnerte ist meist das Erinnerungswürdige. Wenn wir alles behalten (was wir im Prinzip tun, nur ohne bewussten Zugriff), ist alles potentiell gleich wichtig.

So viel aus dem Zentrum meines philosophischen Nachmittags - aber am Sonntag darf das ja mal sein ;-)